Aus drei werden sechs: Biodata Interest Group veröffentlicht erweitertes Memorandum of Understanding

Die Biodata Interest Group vertieft mit einem neuen MoU die Zusammenarbeit von inzwischen sechs NFDI-Konsortien. Gemeinsam werden Services, Infrastrukturen und Standards für biologische Forschungsdaten weiterentwickelt.
Die Biodata Interest Group innerhalb der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wächst weiter: Mit der Veröffentlichung eines neuen, erweiterten Memorandum of Understanding (MoU) vertiefen nun sechs Konsortien ihre Zusammenarbeit im Bereich Forschungsdatenmanagement für die biologischen Wissenschaften. Neben den Gründungspartnern DataPLANT, NFDI4Biodiversity und NFDI4Microbiota gehören inzwischen auch FAIRagro, NFDI4BIOIMAGE und NFDI4Objects zur Initiative.
Die Biodata IG bringt Konsortien zusammen, deren Communities mit biologischen Daten arbeiten – von Biodiversitäts- und Umweltdaten über molekulare Sequenzdaten bis hin zu Bilddaten, Agrardaten oder materiellen Objektdaten. Trotz unterschiedlicher fachlicher Schwerpunkte stehen die beteiligten Communities häufig vor ähnlichen Herausforderungen: Wie können Forschungsdaten nachhaltig gespeichert, auffindbar, interoperabel und langfristig nachnutzbar gemacht werden? Welche Infrastrukturen, Standards und Services werden dafür benötigt? Und wie lassen sich Forschende bestmöglich bei diesen Aufgaben unterstützen?
Genau hier setzt die Biodata IG an. Die Zusammenarbeit begann 2024 mit einem ersten MoU zwischen DataPLANT, NFDI4Biodiversity und NFDI4Microbiota. Kurz darauf schlossen sich FAIRagro, NFDI4BIOIMAGE und NFDI4Objects der Initiative an. Mit dem nun veröffentlichten zweiten MoU wird diese Kooperation offiziell erweitert und strategisch weiterentwickelt.
Das neue MoU baut auf den bisherigen gemeinsamen Aktivitäten auf und definiert zentrale Handlungsfelder für die zukünftige Zusammenarbeit der Biodata-Konsortien. Dazu gehören unter anderem
- gemeinsame Infrastruktur- und Serviceentwicklung,
- koordinierte Helpdesk- und Supportangebote,
- gemeinsame Trainings- und Wissensvermittlungsformate,
- die Weiterentwicklung interoperabler Standards und Workflows,
- gemeinsame wissenschaftliche Veranstaltungen und Publikationen,
- sowie abgestimmte Strategien für Wissensmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der stärkeren Vernetzung bestehender Angebote. Die Konsortien möchten Synergien sichtbarer machen, Doppelstrukturen vermeiden und Communities den Zugang zu Forschungsdatenmanagement-Angeboten erleichtern.
Gemeinsame Konferenz im September
Ein wichtiges Thema der Zusammenarbeit ist beispielsweise die gemeinsame Weiterentwicklung von Infrastrukturangeboten für biologische Daten. Dazu zählen Cloud- und Speicherlösungen ebenso wie langfristige Perspektiven für konsortienübergreifende Datenräume und Services. Auch technische Standards, Ontologien, FAIR Digital Objects sowie Workflows und Suchdienste sollen stärker gemeinsam gedacht und entwickelt werden.
Darüber hinaus spielt das Thema Training und Community Support eine zentrale Rolle. Bereits heute existieren zahlreiche Schulungsangebote, Materialien und Open Educational Resources innerhalb der beteiligten Konsortien. Diese sollen künftig stärker harmonisiert, gemeinsam weiterentwickelt und besser auffindbar gemacht werden. Sichtbar wird dies unter anderem bei der gemeinsam organisierten Boosting Biodata Bootcamp Community Conference, die im September in Aachen stattfinden wird.
Um die im MoU formulierten Ziele weiter mit Leben zu füllen, trafen sich Vertreter:innen der sechs Konsortien im April zu einem ersten gemeinsamen Präsenzworkshop am Julius Kühn-Institut in Berlin. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen nach gemeinsamen Services, möglichen Synergien und der strategischen Weiterentwicklung der Zusammenarbeit.

Ein zentrales Diskussionsthema war die Servicelandschaft der beteiligten Konsortien: Wer entwickelt welche Tools und Services? Welche Angebote lassen sich gegenseitig nachnutzen oder gemeinsam weiterentwickeln? Wo bestehen noch Lücken für bestimmte Communities oder Datentypen? Für 2026 ist daher eine umfassende Kartierung der bestehenden Biodata-Services geplant, die künftig als gemeinsame Orientierungshilfe und Grundlage für weitere Kooperationen dienen soll.
Auch mit Blick auf die Zukunft sehen die Beteiligten die Biodata IG als wichtigen Baustein einer stärker vernetzten und nachhaltig aufgestellten NFDI. Gerade im Kontext der aktuellen Diskussionen um Konsolidierung und Verstetigung der NFDI wird eine engere Zusammenarbeit zwischen den Konsortien zunehmend wichtiger – nicht nur, um bestehende Angebote langfristig zu sichern, sondern auch, um neue Forschungscommunities und Datendomänen besser einzubinden.
Mit dem erweiterten MoU setzt die Biodata IG damit ein deutliches Signal für mehr Kooperation, Interoperabilität und gemeinsame Infrastrukturentwicklung in den Lebenswissenschaften.
Das MoU in Gänze sowie vertiefende Informationen finden Sie hier.