Umfangreiche Daten zu Flächennutzung und Landschaftswandel für den Schutz von Lebensräumen und biologischer Vielfalt – darum geht es in der Zusammenarbeit von NFDI4Biodiversity und dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung.

"Wie wirkt der Mensch auf Naturräume ein, zum Beispiel durch neue Siedlungsgebiete? Wo sind die Böden versiegelt – und seit wann? Zu wissen, wie sich Landnutzung und Landbedeckung in Deutschland darstellen und verändern, ist eine wichtige Grundlage für die Biodiversitätsforschung. Wir möchten diese Daten über die Integration des IÖR-Monitors in NFDI4Biodiversity einbringen."

Gotthard Meinel, Forschungsbereichsleiter Raumbezogene Information und Modellierung am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)

Über das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)

Das IÖR erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen, Analysewerkzeuge sowie Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung und Transformation von Regionen, Städten und Quartieren. Unter anderem trägt es mit seiner Forschung dazu bei, Landschafts- und Siedlungsräume im Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen zu entwickeln. Mit seinem Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor) bringt das IÖR Daten und Indikatoren zu Flächennutzung, Landbedeckung und Landschaftswandel in das NFDI4Biodiversity-Konsortium ein. Diese Informationen lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung von Ökosystemen zu und bilden eine wichtige Grundlage für den Schutz von Lebensräumen und der biologischen Vielfalt.

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Foto: Marcus Fehse, aeronauten-berlin.de

Wie wir zusammenarbeiten

Mit der Community für die Community: Das NFDI4Biodiversity-Use-Case-Modell

Als Konsortium für Biodiversitäts- und Umweltdaten arbeiten wir daran, wertvolles Wissen nachhaltig verfügbar zu machen – und Lösungen zu finden, die wirklich gebraucht werden. Rund 20 Anwendungsfälle aus der Biodiversitätsfachgemeinschaft – die NFDI4Biodiversity Use Cases – helfen uns dabei, Bedürfnisse auszuloten, Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam neue Wege zu gehen: hin zu Daten, die findbar, zugänglich, interoperabel und nachnutzbar sind (s. FAIR-Prinzipien). Einer von ihnen ist der IÖR-Monitor, dessen Daten in NFDI4Biodiversity integriert werden sollen.

Die Daten

Der IÖR-Monitor basiert auf der kombinierten Verarbeitung amtlicher Geobasis-, Geofach- und statistischer Daten (re3data-Repository des IÖR). Aus diesen werden 88 sogenannte Indikatoren abgeleitet, die ihrerseits in 14 thematische Kategorien unterteilt sind, darunter etwa Siedlung, Freiraum oder Verkehr. In einem Kartenviewer können so Landnutzung, Landbedeckung und Landschaftsqualität sowie deren Veränderung räumlich, zeitlich und thematisch hochauflösend für Deutschland dargestellt werden. Die Zeitreihen beginnen dabei im Jahr 2000 und werden seit 2008 jährlich aktualisiert. Darüber hinaus arbeiten die Forschenden des IÖR daran, sie retrospektiv auch für die Zeit vor 2000 zu ergänzen. Die Daten des IÖR-Monitors differenzieren 39 Bodennutzungsarten und sind in Rasterauflösungen von 100 Metern bis 10 Kilometern oder im Vektorformat für eine Reihe von Struktureinheiten – wie Bundesländern, Gemeinden oder Raumordnungsregionen – verfügbar. Unter anderem sind die Daten Grundlage für die Beschreibung von Ökosystemzuständen und die Bewertung von Ökosystemleistungen.

Das gemeinsame Ziel

Ziel ist es, die IÖR-Monitor-Daten in NFDI4Biodiversity zu integrieren. "Landnutzungsveränderungen sind eine Grundlage für Biodiversitäts-, Klima-, Nachhaltigkeits- und Erdsystemforschung", sagte Gotthard Meinel, Forschungsbereichsleiter Raumbezogene Information und Modellierung am IÖR, über seine Motivation, in NFDI4Biodiversity mitzuarbeiten. Andere Biodiversitätsdaten, beispielsweise zum Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten, ließen sich so mit den Daten zu Bodentypen, Versiegelung oder Besiedlung von Landflächen verknüpfen und über verschiedene Zeitspannen ins Verhältnis setzen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Darüber hinaus möchte das IÖR sein Datenangebot bekannter machen und ist an Feedback zu den Funktionalitäten des IÖR-Monitors interessiert.

Der Stand

Um die Integration der Daten zu ermöglichen, wurden sie in einem ersten Schritt aus dem IÖR-Monitor extrahiert. Anschließend sollen sie im CORE Storage – dem verteilten Speichersystem, das in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) aufgebaut wird – abgelegt werden. Im Testbetrieb funktioniert das bereits. Derzeit wird am Anreichern der Metadaten der integrierten Datensätze gearbeitet, um sie leichter mit anderen Datenquellen kombinieren zu können. Die bisherige Arbeit veranschaulicht eine der großen Herausforderungen in NFDI4Biodiversity: Damit Daten von der einen in eine andere Infrastruktur eingebracht werden können, ist viel Vorarbeit nötig, etwa im Bereich der Datentransformation und des NFDI-Infrastrukturaufbaus. Im Fall des IÖR-Monitors ist hier der Grundstein gelegt.

Ansprechpartner

Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)

Gotthard Meinel (G.Meinel@ioer.de), Forschungsbereichsleiter Raumbezogene Information und Modellierung

www.ioer.de
www.ioer-monitor.de

NFDI4Biodiversity

Für Fragen zum Use Case IÖR-Monitor:
Jörg Brünecke (joerg.bruenecke@ufz.de)

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Andere Use Cases entdecken

Erfahren Sie mehr über die anderen naturkundlichen Fachgesellschaften, Museen, Behörden sowie Forschungseinrichtungen und -projekte, mit denen wir zusammenarbeiten.

Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI)

Die Fischkundler:innen der GfI verfügen über mehr als 100.000 Datensätze zur Verbreitung aller regionalen Arten. Gemeinsam arbeiten wir daran, dieses wertvolle Wissen leichter zugänglich zu machen – damit es u.a. dem Schutz der Fischfauna zugute kommen kann.

Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e.V. (GdO)

Rund zwei Millionen Libellendaten, die auch Forschung und Naturschutz zur Verfügung stehen sollen – daran arbeiten wir mit den Libellenkundler:innen der GdO.

Übersicht aller Use Cases

Hier geht es zu allen NFDI4Biodiversity-Use-Cases im Überblick.